Gk Kunst 11 2007/08 [Zurück]

Das Bild wird angeschaut


Hier die lesbare Variante des KONZEPTES:
(Es musste der Stiftung MKM am 26.5.2008 vorgelegt werden.)

 

Der Wettbewerbsbeitrag des Leibniz-Gymnasiums (GK Kunst 11)

 

PRÄGENDE ERLEBNISSE IM MUSEUM KÜPPERSMÜHLE

Unser Werk "Das Bild schaut zurück" greift verschiedene Eindrücke auf, die wir während unseres Museumsbesuchs gewinnen konnten. Zunächst (1.) waren wir überwältigt von den großen Formaten z. B. der Maler Penck, Lüpertz und Kiefer, von den (2.) raumgreifenden Bildern, z.T. mit plastischem Vorbau (Jan Fabres "The blue hour", Kiefers "Große Fracht"), von (3.) den Bildern bzw. Bildserien, die zusammen wieder ein Bildganzes ergaben (Lüpertz' 54-teiliger "Traum des Künstlers" und die 6-er Serie von G. Richter aus dem Jahr 1992) und (4.) von den in Kreisform aufgestellten lebensgroßen Holzfiguren von Balkenhol, die uns ebenso anschauten wie wir sie. Außerdem (5.) erregte das Spiegelbild "The End" von Kris Martins (Sonderausstellung Belgische Kunst) unsere besondere Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt begeisterten uns (6.) die besonderen Materialqualitäten (z.B. Sonnenblumenkerne, Sand, Blei), der Materialmix sowie die Materialvielfalt insgesamt (selbst Kugelschreiber; bei Jan Fabre, Belgien).

PROZESS UND ABSICHT

Ein anderer Ausgangspunkt war die Entscheidung, dass jeder der 23 Schüler/-innen des Kurses eine eigene Arbeit erstellt. Jede/r entschied sich für ein Leinwandformat, das sie/er sich zutraute. Für ihre Anordnung wurde eine inhaltliche Form gefunden (Auge), die gleichzeitig als Motiv eines jeden Einzelbildes fungieren konnte. Zunächst mussten Fotos unserer Augen aufgenommen werden. Die 15 Augenlider-Bilder am äußeren Rand der Komposition (Nr. 1-15) stellen je ein Auge bzw. ein Augenpaar, die acht Pupillen-Bilder in der Mitte der Komposition (Nr. 16-23) gemeinsam ein weiteres Auge dar.

Unsere Absicht ist, den Betrachter in das Bild zu integrieren. Das geschieht, indem das Bild (auf den Betrachter) zurückschaut - und zwar so, dass er sich nicht entziehen kann (Big Brother hat das Auge Gottes abgelöst!): die Augen schauen - abhängig von ihrer Platzierung - nach oben, nach unten, nach links, rechts oder nach vorne und drängen den Betrachter in die Mitte - auf die alle Augen blicken. Dort angekommen, wird der Betrachter von der polierten Edelstahlkugel, die 27 cm vor der Komposition in einer Höhe von 244 cm hängt, aufgefordert, Position zu beziehen. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes: Er wird durch Abstands- und Perspektivveränderungen versuchen, z.B. die realen Kugelkanten mit den gemalten Konturen der blauen Iris passgerecht in Übereinstimmung zu bringen oder die Kugel so optisch zu platzieren, dass sie zur fehlenden Pupille wird. Oder er weicht ihr nur aus, damit überdeckte Stellen sichtbar werden.

Eine formale Integration der Bilder gelang uns durch die Betonung der Farben, die gewöhnlich mit Augenfarben in Verbindung gebracht werden (Blau, Grün, Braun), mehr aber durch die inhaltlich motivierten Schrägen, die auf folgenden Assioziationen fußen: Augen strahlen (freundlich oder erwartungsvoll), in ihnen bündeln sich Lichtstrahlen, der Blick führt über das eigentliche Auge hinaus/strahlt aus und findet sein Objekt.

Auf die Eindrücke im Museum reagierten wir u.a., indem wir das uns zur Verfügung stehende Format voll ausnutzen (3 x 5 m) und sowohl die 23 Einzelbilder als auch das Objekt (Kugel) formal wie inhaltlich integrierten.
Auch bei uns ist Betrachter im Bild. Er spiegelt sich in der Pupille/der Kugel (Wie im echten Leben!) und wird zur Aktivität aufgefordert. Zur Materialität: Teresa (Bild 11) benutzt ihre frisch geschnittenen Haare, um sie als Wimpern ihres überdimensionalen Auges einzusetzen. Die Medien Pastell (Sena, Bild 3), Farbmarker und Glasscherben (Verletzbarkeit, Glasauge?; Carl, Bild 2), Fineliner (Lena, Bild 4), Silbersplitter (Angelina, Bild 1) sowie Acrylfarbe kommen zum Einsatz.

Insgesamt haben wir den Eindruck, dass unser 24-teiliges Werk Ausdruck zeitgenössichen Bewusstseins und Handelns ist: Individualismus und Vielfalt paaren sich - besonders am Anfang und am Ende - des sozialen (Gestaltungs-)Prozesses mit einer beträchtlichen Portion Kooperation.

 

Der Gk Kunst 11, unter der Leitung von Herrn Kabzinski-Kenkmann
Dortmund, 26. Mai 2008